Mobilfunk als Festnetz-Ersatz
Wenn die Leitung fehlt oder zu langsam ist, kann ein LTE- oder 5G-Router die Lücke füllen. Hier steht, für wen das taugt, welche anderen Wege es gibt und wie du vor dem Vertrag prüfst, ob es bei dir funktioniert.
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Mit gutem Empfang ersetzt ein LTE- oder 5G-Router das Festnetz für die meisten Haushalte. Surfen, Streaming, Videokonferenzen, Telefonie: Das läuft über Mobilfunk heute ohne Klimmzüge. Ob es bei dir klappt, entscheidet das Signal am Haus, nicht die Netzkarte. Prüfe es deshalb, bevor du dich für zwei Jahre bindest.
Für wen Mobilfunk statt Leitung infrage kommt
- Kein DSL, kein Kabel, keine Glasfaser: Das Haus liegt außerhalb, die nächste Leitung ist weit weg.
- Langsame Leitung: DSL liefert nur 6 oder 16 MBit/s, weil der Verteiler weit entfernt ist.
- Neubau ohne Anschluss: Der Hausanschluss ist beantragt, liegt aber noch nicht.
- Warten auf Glasfaser: Der Ausbau ist angekündigt, bis zum Anschluss vergehen Monate.
- Zweitwohnung, Ferienhaus, Gartenhaus: Ein Festnetzvertrag mit zwei Jahren Laufzeit lohnt sich nicht.
- Umzug: Der neue Anschluss ist erst in einigen Wochen geschaltet.
LTE erreicht in Deutschland fast jedes Haus. Laut dem Mobilfunk-Monitoring der Bundesnetzagentur (Datenstand Juni 2026) funkt auf rund 97,8 Prozent der Fläche mindestens ein Netzbetreiber mit LTE, 5G in allen Ausprägungen kommt auf 96,2 Prozent. Die Frage ist deshalb selten, ob es Mobilfunk gibt. Sie lautet: Reicht er als Hauptanschluss, als Überbrückung oder nur als Ergänzung?
Die Optionen ohne Festnetz
LTE- oder 5G-Router mit Datentarif
Der übliche Weg: Ein Router mit SIM-Karte empfängt das Mobilfunknetz und verteilt es per WLAN im Haus. Alle drei Netzbetreiber haben dafür eigene Zuhause-Tarife, teils mit festem Volumen, teils unbegrenzt. Mit LTE kommen je nach Signal 20 bis 150 MBit/s an, mit 5G auf 3,6 GHz mehrere hundert. Einen Techniker brauchst du nicht, der Router läuft am Tag der Lieferung.
Zwei Haken gibt es. Die Bandbreite teilst du dir mit allen in der Funkzelle, abends wird es langsamer. Und viele Tarife haben eine Volumengrenze, nach der gedrosselt wird. Mehr zu 5G steht unter 5G zuhause, die Tarife im Tarifvergleich.
Hybrid: Leitung plus Mobilfunk
Ein Hybrid-Router bündelt eine langsame DSL-Leitung mit LTE oder 5G. Die Leitung trägt die Grundlast, der Mobilfunk legt bei Bedarf drauf. In Deutschland bietet das vor allem die Telekom an. Es setzt einen DSL-Anschluss voraus und passt deshalb nur zur langsamen Leitung, nicht zum Haus ganz ohne.
Satellit (Starlink und andere)
Satelliteninternet funktioniert fast überall, wo die Antenne freie Sicht zum Himmel hat. Starlink erreicht mit seinen niedrig fliegenden Satelliten Latenzen um 30 bis 50 Millisekunden und Download-Raten von 100 MBit/s und mehr. Das ist weit besser als die alten geostationären Dienste mit über 600 Millisekunden Ping.
Die Tarife für Privatkunden beginnen seit Juni 2026 bei rund 35 Euro im Monat. Die Antenne braucht Strom, einen Platz ohne Bäume im Blickfeld und eine Montage auf Dach oder Mast. Für Häuser, an denen weder Leitung noch Mobilfunk taugt, ist das heute die naheliegende Lösung.
Richtfunk
In manchen Regionen versorgen kleine Anbieter abgelegene Höfe und Weiler per Richtfunk: Eine Antenne am Haus hat direkte Sicht zu einem Sender, der selbst an Glasfaser hängt. Das ist stabil und oft schneller als Mobilfunk, aber nur dort zu haben, wo ein solcher Anbieter funkt. Frag bei der Gemeinde oder beim Landkreis nach.
Das Recht auf Versorgung
Seit Dezember 2021 hat jeder Haushalt in Deutschland nach dem Telekommunikationsgesetz (TKG) einen Anspruch auf eine Mindestversorgung mit Telefon und Internet. Seit Ende 2024 heißt das mindestens 15 MBit/s im Download, 5 MBit/s im Upload und höchstens 150 Millisekunden Latenz. Die Bundesnetzagentur hat diese Werte 2025 überprüft und empfohlen, sie beizubehalten.
Kein Anspruch auf eine Leitung
Das Gesetz schreibt keine Technik vor. Die Bundesnetzagentur kann einen Anbieter verpflichten, die Mindestversorgung herzustellen, und der darf dafür auch Mobilfunk oder Satellit nutzen. Einen Anspruch auf einen Glasfaser- oder DSL-Anschluss gibt es nicht, und für Zweitwohnungen gilt das Recht nicht.
So läuft es ab: Du meldest dich bei der Bundesnetzagentur, am schnellsten über das Kontaktformular, und legst Nachweise bei, etwa Messprotokolle und Absagen von Anbietern. Die Behörde stellt innerhalb von zwei Monaten fest, ob du unterversorgt bist. Dann haben Anbieter einen Monat Zeit, freiwillig ein Angebot zu machen. Meldet sich keiner, kann die Behörde ein Unternehmen verpflichten, und bis zum fertigen Anschluss vergehen weitere Monate. Der Preis soll erschwinglich sein, die Behörde orientiert sich an rund 35 Euro im Monat.
Seit März 2026 gibt es ein Prüfwerkzeug der Bundesnetzagentur: Nach Eingabe der Adresse zeigt es, ob die Mindestversorgung dort über Leitung oder Mobilfunk potenziell verfügbar ist. Du findest es unter bundesnetzagentur.de/1081022, die Einzelheiten zum Verfahren auf der Seite Recht auf Versorgung. Messungen für den Nachweis machst du mit der Breitbandmessung der Bundesnetzagentur.
Für die meisten ist das der letzte Weg. Wer an seinem Haus brauchbares LTE hat, gilt in der Regel nicht als unterversorgt.
Wie du prüfst, ob Mobilfunk bei dir taugt
- Netzkarten ansehen. Telekom, Vodafone und o2 zeigen auf ihren Seiten, wo sie LTE und 5G anbieten. Die Karten sind eher optimistisch und gelten für draußen. Die Ortsseiten zeigen dazu, welcher Anteil der Haushalte an deinem Ort LTE und 5G empfängt.
- Am Fenster testen. Nimm ein Smartphone mit SIM-Karten verschiedener Netze und miss am geplanten Platz des Routers, am besten mit einem Speedtest morgens und abends. Bars sagen wenig. Signalwerte wie RSRP und SINR sagen mehr, sie stehen unter Empfang verbessern.
- Prepaid-SIM ausprobieren. Eine Prepaid-Karte im Netz deiner Wahl kostet wenig und läuft ohne Vertrag. Steck sie für ein paar Tage in einen Router oder nutze das Smartphone als Hotspot und beobachte, wie stabil es abends läuft.
- Laufzeit und Kündigung klären. Viele Zuhause-Tarife gibt es mit zwei Jahren Laufzeit oder monatlich kündbar. Nach der Mindestlaufzeit kannst du jeden Vertrag mit einem Monat Frist kündigen. Bestellst du online, hast du 14 Tage Widerrufsrecht: Teste in dieser Zeit am echten Platz.
Hauptanschluss, Überbrückung oder Ergänzung
Je nach Lage am Ort spielt Mobilfunk eine von drei Rollen:
| Rolle | Wann | Was du nimmst |
|---|---|---|
| Hauptanschluss | Leitung unter 50 MBit/s, gutes LTE oder 5G am Haus, keine Glasfaser in Sicht | Zuhause-Tarif mit großem oder unbegrenztem Volumen, eigener Router, eventuell Außenantenne |
| Überbrückung | Neubau, Umzug, Glasfaser kommt in einigen Monaten | monatlich kündbarer Tarif, Router zur Miete |
| Ergänzung | Leitung vorhanden, aber langsam oder unzuverlässig | Hybrid-Anschluss oder ein Router mit Mobilfunk als Rückfallebene |
Auf jeder Ortsseite steht, wie vielen Haushalten am Ort 50 MBit/s über die Leitung fehlen, und ein Urteil, ob Mobilfunk dort als Hauptanschluss, Überbrückung oder Ergänzung taugt. Die passenden Tarife findest du im Vergleich für LTE und 5G zuhause, mit DSL, Kabel und Glasfaser daneben.